Theater

Theatergeschichte

Klaus Loose, Gründer und erster Prinzipal unseres Theaters, fand 1958 in einem Berliner Antiquitätengeschäft eine in Teilen zerlegte Puppenbühne, samt einigen zunächst zusammenhanglosen Requisiten.

Er hatte schnell erkannt, dass es sich hier nicht um industriell gefertigte Massenware, sondern um eine von einem Schreiner mit Sachverstand gebaute und mit ausgeklügelter Technik versehene Bühne handelte. Ob sie für den privaten, häuslichen Gebrauch bestimmt war oder, was eher zu vermuten ist, sie einem professionellen Wanderspieler diente, ist letztlich nicht vollständig geklärt.

Angesichts der hervorragenden handwerklichen Qualität und guten Erhaltungszustand, auch der vorhandenen Kulissen und Requisitenteile, war für Loose der Entschluss schnell gefasst, diese Bühne zu restaurieren und wieder bespielbar zu machen; seinen Berliner Fund bezeichnete er wie den "Fund einer blauen Mauritius"!

Nach der Restaurierung bespielte er die Bühne zunächst mit seiner Ehefrau und einer kleinen Truppe über 20 Jahre lang in Oldenburg, ehe er 1986 nach Bamberg umzog und die Bühne hier in ihrer heutigen Form etablierte.

Theaterintention

Der Gründer Klaus Loose betrachtete sein Marionettentheater in Bamberg als "Theatermuseum". Er wollte die Theaterwelt des 19. Jahrhunderts erlebbar machen, eine Zielsetzung, die seinen Nachfolgern bis heute gilt. Demzufolge enthält das Repertoire vornehmlich Stücke der deutschen Romantik und der Klassik, die "im Original" gespielt werden. Dennoch lässt sich mit einer solchen traditionellen Bühne lebendiges Theater gestalten.

Marionetten und Kulissen werden nach historischen Vorlagen hergestellt, viele Requisiten- und Kulissenteile aus dieser Zeit verwendet. Da das Gesamtambiente bewusst auf diese Vorgabe Rücksicht nimmt, kann so ein einheitliches Ganzes entstehen.

Das Theater ist primär für Erwachsene gedacht, was nicht heißt, dass Kindern nichts geboten wird. Die klassischen Opern-, Schauspiel- und Märcheninszenierungen, die anspruchsvolle Kunst der Puppenführung, der aufwändige Rahmen, den die Bühnentechnik bietet, und die Spieldauer von rund 2 Stunden und nicht zuletzt die Tageszeit der Vorstellungen entsprechen aber eher dem Anspruch von Erwachsenen.

Unsere Märcheninszenierungen hingegen, gespielt vor allem nachmittags in der Weihnachtszeit, nehmen besonders auf die Geisteswelt der Kinder Rücksicht, versetzen aber auch so manchen Erwachsenen in seine eigene Kindheit zurück.

Domizil

Seit 1986 ist die Bühne fest im "Staubschen Haus" beheimatet, einem stattlichen barocken Bürgerhaus von 1795. Das Haus liegt am Rande der Altstadt, eingebettet zwischen Michelsberg und Regnitz, nicht weit entfernt von berühmten Bamberger Sehenswürdigkeiten, wie "Klein Venedig", dem Alten Rathaus, dem Dom oder der Neue Residenz.

Die Bühne

Die Bühne hat die Maße von ca. 70 cm Breite und 50 cm Höhe; die Puppen, mit einer Größe von circa 17 cm entsprechen dem Maßstab 1:10.

Die stimmig durchkonstruierten Perspektiven der Kulissen führen zu der immer wieder überraschenden Wirkung, dass der Zuschauer, im Dunkel des Saals durch nichts abgelenkt, sich wie in einem großen Theater sitzend wähnt. Seit 2014 verfügt die Bühne über eine moderne, energiesparende Beleuchtung in LED-Technik und einer digitalen Steuerung.

Theaterstruktur

Klaus Loose zog sich 2005 als Prinzipal in den Ruhestand zurück und übertrug das Theater samt Inventar der Stadt Bamberg. In der Nachfolge führte Arnd Stein für kurze Zeit das Bamberger Marionettentheater als Intendant. Am 14. Januar 2016 starb Klaus Loose im Alter von 88 Jahren in Coburg.

Seit Steins Weggang betreibt der Förderverein "Freunde des Bamberger Marionettentheaters e. V." das Theater im Namen und Auftrag der Stadt und betraute damals das Ensemble mit dem Spielbetrieb. Es wurde zunächst als eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) geführt, das unter der Geschäftsführung von Frau Renate Nötling und der künstlerischen Leitung von Frau Irene Leiter stand.

2012 kehrte man wieder zum Prinzipalsystem zurück, seitdem steht der Betrieb des Theaters unter der Leitung von Frau Maria Sebald.